von Björn Hempel
Systemfrage: FrSky Vantec RF007 – Die Antwort auf den Open-Source-Boom
hier die rote Variante mit der TWIN Technologie.
FrSky ist beileibe kein Neuling, wenn es um Flight-Controller geht; im Drohnen-Bereich ist die Technik längst etabliert. Doch im Helikopter-Sektor hat erst der Erfolg der Open-Source-Software Rotorflight die Karten neu gemischt. Nachdem RadioMaster mit dem Nexus im Mai 2024 vorgelegt und gezeigt hat, wie leistungsfähig moderne FBL-Hardware auf STM32-Basis sein kann, zieht FrSky nun mit der Vantec RF007-Serie nach. Erschienen im Frühsommer 2025, positioniert sich das RF007 nicht einfach nur als ein weiterer Controller, sondern als die maßgeschneiderte Lösung für das FrSky-Ökosystem. Während das ursprüngliche Nexus noch auf externe Peripherie angewiesen war, integriert das RF007 den Empfänger direkt auf der Platine – ein Konzept, das RadioMaster erst kurz darauf mit der Nexus XR-Reihe für ELRS-Nutzer adaptierte. Damit steht das RF007 im direkten Wettbewerb: Es bringt die bewährte FrSky-Übertragungstechnik mit der Flexibilität von Rotorflight zusammen. Für Piloten, die im ETHOS-System zu Hause sind, stellt sich damit die Frage: Ist das RF007 die komfortablere Alternative zum Nexus?
Anschlusskabel sowie passende 3M Klebestreifen.
Um der Vielfalt der eigenen Sendertechnologien gerecht zu werden, bietet FrSky das Vantec mittlerweile in drei Varianten an, die sich auf den ersten Blick durch ihre Gehäusefarbe unterscheiden. Für Piloten, die auf das bewährte ACCESS-Protokoll setzen, steht die klassische Version im schwarzen Aluminiumgehäuse bereit. Wer hingegen die Vorteile des TWIN-Systems mit seiner doppelten 2,4-GHz-Strecke und der höheren LoRa-Empfindlichkeit nutzen möchte, greift zur roten Ausführung. Komplettiert wird das Trio durch die silberne Variante, die das TANDEM-Protokoll unterstützt und damit die simultane Nutzung von 2,4 GHz und 868 MHz beziehungsweise 900 MHz ermöglicht. Diese klare optische Codierung erleichtert nicht nur die Unterscheidung im Händlerregal, sondern unterstreicht auch den Ansatz, für jede Sender-Generation – von den älteren Modellen bis hin zur aktuellen X20- oder X18-Serie – die passende integrierte Lösung ohne externen Kabelsalat anzubieten. Angebunden sind alle internen Empfänger über FBUS, was eine nahtlose Integration und die direkte Übertragung der Telemetriedaten an den Sender ermöglicht.
eine ausgedruckte deutsche Anleitung.
Für diesen Bericht fiel die Wahl auf die rote TWIN-Ausführung, die in einer zweckmäßigen und robusten Kunststoffbox geliefert wird. Öffnet man die Verpackung, findet man neben der eigentlichen FBL-Einheit ein gut sortiertes Zubehörpaket vor, das diverse Anschlusskabel für die Peripherie, das obligatorische USB-C-Kabel zur Verbindung mit dem PC sowie passendes 3M-Montagematerial enthält. Ein Detail verdient jedoch besonderes Lob und sticht aus dem oft rein englischsprachigen Lieferstandard vieler Hersteller positiv hervor: Dem Paket legte der Händler eine gedruckte, deutschsprachige Anleitung bei. Dies ist keineswegs selbstverständlich und stellt für den hiesigen Markt einen echten Mehrwert dar, da der Kunde die essenziellen Informationen zur Pin-Belegung, Spannungsversorgung und grundlegenden Installation sofort verständlich und griffbereit vorliegen hat, ohne sich erst durch Online-Wikis arbeiten zu müssen.
Nimmt man das Vantec genauer unter die Lupe, offenbart sich ein kompaktes Bauteil mit den Abmessungen 40,5 x 31,2 x 13,7 Millimeter, das mit 25,4 Gramm angenehm leicht ausfällt, wobei das Gewicht je nach Empfängervariante nur um wenige Zehntelgramm variiert. Bei der vorliegenden TWIN-Version fällt sofort ein Detail an den Antennen ins Auge: Die empfindlichen Enden sind werksseitig bereits mit einem Schrumpfschlauch geschützt. Was auf den ersten Blick als fürsorgliches Feature erscheint, entpuppt sich in der Praxis jedoch als kleine Hürde, da dieser Schutz leider verklebt wurde. Wer die Antennen in passgenauen Röhrchen oder Halterungen verlegen möchte, kann den Schlauch daher nicht ohne Weiteres entfernen, was bei der Montage etwas Improvisationstalent erfordern kann.
verschieden Varianten.
Ein Blick auf die Oberseite der Einheit zeigt ein aufgeräumtes Layout mit zwei versenkt angebrachten Tastern, die vor versehentlicher Betätigung geschützt sind: Einer dient dem Reset der FBL-Einheit, der andere zum Binden des internen Empfängers. Außerdem befindet sich dort der USB-C-Anschluss für die Konfiguration via Rotorflight sowie zwei UART-Schnittstellen (JST-GH) für Erweiterungen. Besonders wertvoll für die Telemetrie ist der dedizierte JST-GH Port zur externen Spannungsmessung, der Spannungen von 0 bis 80,0 Volt verarbeiten kann und somit eine direkte Überwachung des Flugakkus ermöglicht. Sollte es einmal Probleme mit den komfortablen Over-the-Air-Updates (OTA) geben, findet sich an der Gehäuseseite zudem ein physischer RxUG-Port als zuverlässige Backup-Lösung zum Flashen der Firmware.
Im Inneren der Gehäuse arbeiten, je nach Version, unterschiedliche Empfängerherzen: Während in der schwarzen ACCESS-Variante ein Archer Plus RS seinen Dienst verrichtet, werkelt im hier getesteten TWIN-Modell ein R6-Empfänger, und die silberne TANDEM-Version greift auf den Dual-Band TD MX zurück. Die Stromversorgung des Vantec ist mit einem Betriebsspannungsbereich von 5,0 bis 16,0 Volt für moderne Setups gerüstet und voll kompatibel mit aktueller HV-Technik. Die Anschlussleisten für die Servos, den Regler sowie die Eingänge für Telemetrie und das Drehzahlsignal sind gut zugänglich an der Seite herausgeführt, was eine saubere und flache Kabelführung im Chassis begünstigt.
Doch so wichtig die äußeren Schnittstellen sind, die eigentliche Leistungsfähigkeit entscheidet sich unter der Haube, und hier lässt FrSky technisch nichts anbrennen. Als zentrale Recheneinheit fungiert ein leistungsstarker STM32F722RET6 Mikrocontroller, der genügend Reserven für die komplexen Regelalgorithmen von Rotorflight und zukünftige Funktionserweiterungen bietet. Für die präzise Lageerkennung und das Fluggefühl zeichnet sich die moderne ICM-42688P IMU verantwortlich – ein Gyro-Sensor, der für sein geringes Rauschen bekannt ist – während ein SPL06-001 Barometer ergänzende Höhendaten für die Telemetrie liefert. Ein besonderes Highlight für Piloten, die ihr Setup bis ins Detail optimieren wollen, ist der üppig dimensionierte interne Speicher: Mit 128 MB Flash-Speicher steht für das Blackbox-Logging ausreichend Platz zur Verfügung. Das erlaubt eine hochauflösende Aufzeichnung aller relevanten Flug- und Vibrationsdaten über viele Flüge hinweg, ohne dass man nach jeder Landung den Speicher auslesen und löschen muss – ein Feature, das bei der Fehlersuche und dem Feintuning unbezahlbar ist.
lässt sich das Vantec problemlos konfigurieren.
Softwareseitig wird das Vantec mit der vorinstallierten Rotorflight-Version 2.1 ausgeliefert. Da die Entwicklung bei Open-Source-Projekten jedoch rasant voranschreitet und die Community stetig Verbesserungen liefert, sollte man bei der Inbetriebnahme gleich die aktuelle Version auf dem System installieren. Die Aktualisierung auf die zum Testzeitpunkt aktuelle Version 2.2 erwies sich nach dem Anschluss an den PC als völlig unproblematisch und war binnen weniger Augenblicke erledigt. Der wohl größte Trumpf, den FrSky hier ausspielt, ist jedoch die nahtlose Einbindung in das eigene Ökosystem: Dank der Integration in die Ethos Suite lässt sich das Vantec bequem über eine Lua-Anwendung direkt im Sender konfigurieren. Damit wird der Sender zur vollwertigen Programmierbox, und Anpassungen auf dem Flugfeld lassen sich schnell und intuitiv erledigen, ohne dass zwingend ein Laptop ausgepackt werden muss.
Fazit
Schrumpfschlauch geschützt.
Kommen wir abschließend auf die eingangs gestellte Systemfrage zurück: Ist das RF007 tatsächlich die komfortablere Alternative zum Nexus? Für Piloten, die bereits auf eine FrSky-Anlage mit ETHOS setzen, lautet die Antwort eindeutig: Ja. Der entscheidende Vorteil liegt in der Homogenität des Systems. Durch den integrierten Empfänger entfällt nicht nur zusätzlicher Verkabelungsaufwand im Modell, was zu einem besonders aufgeräumten Aufbau führt, sondern es macht auch die Anschaffung und Montage externer ELRS-Sendemodule am Sender überflüssig. Das Vantec fügt sich nahtlos in die bestehende Infrastruktur ein und bietet damit genau jenen Komfort, den man sich als System-Nutzer wünscht. Einziges kleines Manko in der B-Note bleibt die gut gemeinte, aber in der Praxis hinderliche Verklebung der Schrumpfschläuche an den Antennenenden. Dies verhindert leider die einfache Montage in gängigen Antennenröhrchen. Wer über dieses Detail hinwegsehen kann oder ohnehin eine andere Antennenverlegung bevorzugt, erhält mit dem Vantec RF007 jedoch ein leistungsfähiges und durchdachtes Gesamtpaket, das die Stärken der Open-Source-Welt von Rotorflight perfekt mit der Hardware-Qualität von FrSky vereint.
Hinweis: Erwärmt man den Schumpfschlauch an den Antennen, lässt sich dieser abziehen.
Technische Daten:
Abmessungen: 43.5×31.2×13.7mm
Gewicht: ca. 25,4g
Empfängeroptionen:
-
RF007 ARCHER+: Eingebauter 2.4G Archer Plus RS Empfänger
-
RF007 TWIN: Eingebauter Dual 2.4G TW R6 Empfänger
-
RF007 TANDEM: Eingebauter 2.4G&900M Dual-Band TD MX Empfänger
Betriebsspannung: 5-16V
Betriebsstrom (nur FC): 125mA@5VSpannungsmesseingang: 0-80V
Blackbox Speicher: 128Mb
MCU: STM32F722RET6Gyroskop: ICM-42688P
Barometer: SPL06-001