Goosky S2 MAX
Mit dem Goosky S2 MAX hat der Hersteller einen konsequent weiterentwickelten Nachfolger des S2 Legend auf den Markt gebracht. Als kompakter Helikopter der 200er-Klasse schlägt das Modell die Brücke zwischen handlicher Feierabend-Trainingsmaschine und anspruchsvollem 3D-Sportgerät. In diesem Praxisbericht zeige ich die mechanischen Highlights des Modells und beschreibe den erfolgreichen Umbau auf den Goosky F401 Flight Controller mit Rotorflight sowie das Upgrade auf Venture 195 Carbon-Rotorblätter.
Mechanischer Aufbau & Antriebskonzept
Der S2 MAX unterscheidet sich in einigen zentralen Konstruktionsmerkmalen wohltuend von klassischen Microhelis dieser Größenordnung:
- Zweiteiliger Rahmen mit Alu-Zentralplatte: Statt empfindlicher Kohlefaserplatten im Hauptchassis setzt Goosky auf einen zweiteiligen, hochfesten Kunststoffrahmen in Verbindung mit einer massiven Aluminium-Lagerplatte. Das spart Gewicht, schluckt Schwingungen und macht den Heli im Reparaturfall extrem wartungsfreundlich, da Chassisteile einzeln getauscht werden können.
- Front-Akkueinschub ohne Haubendemontage: Der 3S 750 mAh LiPo wird von vorne direkt in die Führungsschiene eingeschoben und verriegelt auf einem fest im Rahmen installierten XT30-Stecker. Das Abnehmen der Kabinenhaube vor jedem Flug entfällt vollständig.
- Direktantrieb (Direct Drive): Ein drehmomentstarker 45-mm-Außenläufer treibt die Hauptrotorwelle ohne Zwischengetriebe an. Das sorgt für unmittelbare Leistungsentfaltung ohne Zahnradverschleiß und für ein sehr angenehmes, leises Betriebsgeräusch.
- Souveränes Direktheck: Auf dem Aluminium-Vierkantheckrohr arbeitet ein überarbeiteter Heckmotor mit 88,5 mm Propellerdurchmesser. Gegenüber dem Vorgänger bietet das vergrößerte Heck spürbar mehr Haltemoment bei harten Lastwechseln und Funnels.
Das Tuning: Umbau auf Rotorflight mit dem Goosky F401
Ab Werk wird der Heli mit dem hauseigenen GTS-Flybarless-System ausgeliefert, das per Smartphone-App konfiguriert wird. Für den Einstieg ist das zweckmäßig – für ambitionierte Piloten setzt das System jedoch Grenzen: Filter und Regelparameter sind stark vorgegeben, und das Telemetrie-Feedback beschränkte sich im Wesentlichen auf ungenaue Prozentwerte.
Um das volle fliegerische Potenzial der Mechanik freizusetzen, habe ich das Serien-FBL durch den Goosky F401 Flight Controller ersetzt und mit der Open-Source-Firmware Rotorflight 2 geflasht.
Vorteil Rotorflight: Mit Rotorflight zieht die Technologie moderner FBL-Systeme in den Microheli ein – inklusive dynamischer Notch-Filterung, Governor-Regelung und direkter Parametrierung am Platz über die Rotorflight Lua Suite auf der Fernsteuerung (EdgeTX / Ethos).
Die Vorteile des F401-Umbaus im Flugbetrieb:
- Messerscharfe Regelung: Dank moderner Filterung und exakt auf den Direktantrieb abgestimmter PID-Werte fliegt der S2 MAX völlig frei von Schwingungen über das gesamte Drehzahlspektrum.
- Echtes Energiemonitoring: Statt vager Spannungsschätzungen überträgt der F401 die entnommenen Milliamperestunden (mAh), die aktuelle Stromaufnahme (Ampere) und die Rotordrehzahl (RPM) in Echtzeit per Telemetrie an den Sender.
- Einstellung am Platz: Alle Feineinstellungen für Taumelscheibe, Drehraten und Heck werden direkt auf dem Senderdisplay vorgenommen – ganz ohne Handy oder PC auf dem Flugfeld.
Rotorblätter: Venture 198 Carbon Blades
Parallel zum Elektronik-Umbau wurden die serienmäßigen Kunststoffblätter durch Venture 198 Carbon-Rotorblätter ersetzt. Die Venture-Blätter überzeugen durch hohe Profiltreue und exzellente Torsionssteifigkeit. Im Flug macht sich das durch ein noch direkteres Ansprechen auf zyklische Steuerbefehle und bemerkenswerte Spurtreue bei High-Speed-Überflügen bemerkbar. Gleichzeitig laufen die Blätter akustisch sehr angenehm und setzen kollektiven Pitch sofort in Steigleistung um.
Flugeigenschaften & Flugzeit
In der Luft begeistert der modifizierte S2 MAX auf Anhieb: Der Heli liegt satt in der Luft und vermittelt vom ersten Moment an das Steuergefühl einer ausgewachsenen 700er-Wettbewerbsmaschine. Dank des bürstenlosen Heck-Direktantriebs steht das Heck auch bei schnellen Rückwärtsfiguren und Funnels unerschütterlich. Mit dem serienmäßigen 3S 750 mAh Akku liegt die Flugzeit bei dynamischem Kunstflug bei rund 4,5 bis 5 Minuten, wobei nach der Landung eine sichere Restkapazität von rund 20 % verbleibt.
Technische Daten
| Merkmal | Serienmodell (GTS) | Mein Umbau (Rotorflight) |
|---|---|---|
| Hauptrotordurchmesser | 444 mm | 444 mm |
| Hauptrotorblätter | 195 mm Goosky Serie | 198 mm Venture Carbon |
| Heckrotordurchmesser | 88,5 mm (Direct Drive) | 88,5 mm (Direct Drive) |
| Antriebsmotoren | Brushless Direktantrieb | Brushless Direktantrieb |
| Flybarless-System | Goosky GTS (App) | Goosky F401 (Rotorflight 2) |
| Telemetrie | Basis-Spannungswert | Vollwertig (mAh, Strom, RPM, V) |
| Akku | 3S 11,1 V 750 mAh LiPo (XT30) | 3S 11,1 V 750 mAh LiPo (XT30) |
| Abfluggewicht | ca. 360 g | ca. 362 g |
| Flugzeit | ca. 4–5 min | ca. 4,5–5 min |
Fazit
Der Goosky S2 MAX bietet bereits aus dem Karton eine überzeugende Plattform mit solider Mechanik, schnellem Akkuhandling und kraftvollem Direktantrieb. Durch die Umrüstung auf den Goosky F401 Flight Controller mit Rotorflight und die Venture 198 Carbon-Blätter entfaltet der Heli jedoch sein volles Potenzial: Höchste Steuerpräzision, verlässliche Telemetrie und bequeme Einstellung direkt über den Sender machen den S2 MAX zu einer erstklassigen, immer einsatzbereiten Trainingsmaschine für die Hosentasche.